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Das Wunder von Olten

Gizze und Thomas 01.12.2010

Mein Trainerkollege Ueli Meier hat einst seinen Spielbericht mit „ Es war einmal….“ begonnen. Diese Aussage würde auch zum vergangenen Wochenende passen.

Denn da war eine E Mannschaft die sich am Samstag schon um 6 Uhr in der Früh besammeln musste, um sich auf den Weg nach Olten zu machen. Spontan wurde ich vor zwei Wochen an einer Trainerweiterbildung angefragt ob wir Lust hätten am Oltener Hallenmasters mitzumachen. Nach kurzer Rücksprache mit den Eltern unseres Teams sagte ich darauf hin zu. Es gab am Samstag ein Qualifikationsturnier wo sich regionale Teams für das Hauptturnier am Sonntag qualifizieren konnten. Bedingung dafür war, die Achtergruppe als erster abzuschliessen. Alleine schon der Anreiz an einem Tag 7 Spiele zu absolvieren war Grund genug unser Glück zu versuchen. Unsere Gegner waren uns alle mehr oder weniger unbekannt, so kamen die meisten aus der Region Solothurn, Zürich und Aargau.

Wir kamen dann auch sehr gut aus den Startlöchern und gewannen gleich die ersten drei Spiele. Ziemlich leichtsinnig habe ich dem Team dann aus der Euphorie heraus gesagt, ich würde sie alle in den MC Donalds einladen falls wir alle sieben Spiele gewinnen sollten. Obwohl ich nicht im Traum daran gedacht hätte, dass dies möglich wäre, haben sie es getan. So kamen die Jungs nebst einer Medaille für den Quali Sieg und der Belohnung am Hauptturnier vom Sonntag mitmachen zu können, auch noch in den Genuss eines Happymeals.

Am Sonntagmorgen war also wieder nichts mit ausschlafen, was aber nicht hiess dass wir nicht ausgeschlafen zu unserem ersten Spiel antraten.

Die Gegner vom Sonntag waren uns jedoch schon am Samstag bekannt und die waren nicht von Pappe. Nebst den U 10 Teams vom FC Zürich und FC Luzern, bekamen wir es auch noch mit dem FC Bern, Concordia Basel, und dem SV Weil am Rhein zu tun die allesamt gesetzt waren an diesem Hauptturnier. Die Aussenseiterrolle bekam uns jedoch sehr gut. Das Ziel war von Anfang an einfach eine gute Figur abzugeben in dieser Gruppe und den einen oder anderen „grossen“ etwas zu ärgern. Mit dem FC Zürich bekamen wir im ersten Spiel sogleich einen der grossen als Gegner vorgesetzt. Wir Trainer hatten die Aufgabe den Spielern die Nervosität vor diesem Spiel etwas zu nehmen, wobei ich nicht sicher war ob wir Trainer sogar noch nervöser waren als die Spieler. Aber diese sollte sich kurz nach Spielbeginn in Luft auflösen. Was unser Team auf den Hallenboden zauberte war unglaublich und es schaute ein Sensationeller 2:0 Sieg heraus. Jetzt begann für uns das Wunder von Olten. Der nächste Gegner war der FC Bern der mit 1:0 bezwungen wurde. Als dann auch das dritte Spiel gegen den FC Luzern mit 3:1 gewonnen wurde, gab dies unseren Spielern natürlich ein riesiges Selbstvertrauen. Gegen den SV Weil am Rhein und den FC Concordia schaute dann noch ein 0:0 und ein 3:0 für uns heraus. Gruppenerster und das gegen solche Teams, wir konnten es kaum glauben.

Da es noch eine zweite Gruppe gab ( U.a mit dem FC Basel und dem FC Aarau!) mussten wir bis zu den Viertelfinalspielen etwa drei Stunden überbrücken. Und an dieser Stelle dem FC Olten ein RIESIGES Kompliment. Die hatten nämlich für die vier ersten Finalisten eine ganze Hallenminigolf Anlage gemietet. Mit Privaten Autos von Vereinsmitgliedern des FC Olten wurden wir dann zu dieser etwa zehn Minuten entfernten Anlage gefahren und nach zwei Stunden wieder abgeholt. Die hatten wirklich an alles gedacht.

Die zwei grössten Fragen waren danach: Was für einen Einfluss diese lange Pause auf unser Spiel haben würde und wohin unser Weg noch führen sollte. „Dieser Weg wird kein leichter sein“ so heisst ein bekanntes Lied von Xavier Naidoo. Wir hielten es aber mit einem anderen Lied  des Sängers das heisst: WAS WIR ALLEINE NICHT SCHAFFEN, DAS SCHAFFEN WIR DANN ZUSAMMEN.

Und genau das hat das Team dann umgesetzt. Der Viertelfinalgeger war kein geringerer als der FC Aarau. Aber warum Angst haben wenn man schon den FC Zürich besiegen konnte?

So spielten wir dann auch frech auf und bezwangen den FC Aarau eigentlich zu knapp mit 1:0. In der anderen Gruppe duellierten sich danach der FC Zürich und der FC Basel im Viertelfinale, wobei Zürich mit einem 5:4 die Nase vorn hatte und somit unser Gegner im Halbfinale war. Eigentlich hofften wir auf den FCB als Gegner, da wir mit diesen noch eine Rechnung aus der Meisterschafts Vorrunde offen haben. Aber was solls, da wir die Zürcher ja schon am morgen bezwungen hatten wussten wir um unsere Chance im Halbfinale.

Und auch jetzt gingen wir wieder als Sieger vom Platz. Dasselbe Resultat wie im Gruppenspiel nämlich ein 2:0 schaute heraus. Und welcher Basler ( Binninger) gewinnt nicht gerne gegen den FCZ ? 

Unglaublich aber wahr, wir standen im Finale !!! Nur wer war unser Gegner? Es sollte der BSC Old Boys sein, ein uns altbekannter Rivale aus der Meisterschaft. Insgeheim hatte ich gehofft dass wir im Falle einer Finalqualifikation auf die Old Boys treffen. Denn es gibt immer ein tolles Spiel gegen diesen Gegner.

Natürlich hatten wir grossen Respekt vor den Old Boys, denn es gibt in der Region wenig Teams die spielerisch so stark sind und auch an jedem Turnier um den Sieg mitspielen. Aber an diesem Sonntag wusste ich, dass nicht wir sie schlagen müssen, sondern sie uns. Es lag wahrscheinlich daran, dass wir nach all den Spielen einfach unheimlich an Selbstvertrauen gewonnen hatten.

Die Vorgabe war klar, wir mussten unseren Gegner daran hindern ihr Kombinationsspiel auf zu ziehen und gleichzeitig die sich wenig bietenden Gelegenheiten zum Kontern nützen. Ersteres gelang uns dann auch recht gut, trotzdem mussten wir denn einen oder anderen Abschluss zulassen. An dieser Stelle ein grosses Kompliment an unseren Torhüter, auf den wir uns während des ganzen Turniers verlassen konnten. Er hielt was auf das Tor geflogen kam und brachte den einen oder anderen Gegner zur Verzweiflung. Zum Kontern kamen wir jedoch wenig und so waren dann die 12 Minuten Spielzeit vorbei: Penaltyschiessen!

Auch das kam uns irgendwie bekannt vor. Bei der letzen Finalbegegnung vor einem Jahr an unserem Heimturnier, brauchte es 17! Penaltys bis OB als Sieger vom Platz ging. Sollten wir dieses Mal das bessere Ende für uns behalten?

Wir Trainer wollten die Schützen nicht selbst bestimmen. So fragten wir die Jungs wer es sich zutraut zu schiessen. Es zeigte sich, dass selbst die Spieler die sonst immer Verantwortung übernehmen grossen Respekt vor dieser Aufgabe hatten. Umso mehr freute es uns Trainer, dass der eine oder andere von dem wir es nicht unbedingt erwartet hätten sich traute. Wir begannen, 1:0.dann 1:1, 2:1, 2:2, 3:2. Dann trifft der nächste OB Schütze nur die Latte. Wenn wir jetzt die Nerven behalten würden, schafften wir das Wunder.

Jaaaaaa sie hielten!!! Unglaublich, Fantastisch, Genial! Es gab kein Wort dass diesen Moment  beschreiben konnte. Nicht nur die Kinder flippten aus vor Freude, selten habe ich Eltern gesehen die so gejubelt haben.

Nebenbei gesagt musste ich mir in diesem Moment eine dicke Träne verdrücken, so ein emotionales Turnier habe ich selten erlebt. Ich bin ehrlich gesagt fast geplatzt vor Stolz auf diese Jungs und auch Gizze konnte es kaum glauben. Was wir hier erreicht haben wird immer in unseren Köpfen bleiben. Der Sieg war das i Tüpfelchen, aber der Weg dorthin war unheimlich. In 14 Spielen zuvor waren wir nur einmal nicht als Sieger vom Platz gegangen. Wir haben dabei 33 Tore geschossen und was noch unglaublicher war nur 5 Gegentore kassiert. ( Am Hauptturnier nur ein einziges!)

Ich glaube wir haben an diesem Turnier viele Freunde gewonnen. Wir spürten, dass uns alle diesen Sieg gönnten. Toll war auch dass uns die Spieler des FC Zurzach am Samstag unterstützt haben von aussen. Überhaupt erstaunt es wie gross der Respekt war untereinander, es gab nicht eine einzige Unstimmigkeit wegen irgendetwas. Dies ist ein grosser Verdienst des FC Olten, der mit der ganzen Organisation dazu beitrug, dass sich alle wohl fühlten. Die Idee mit dem Minigolf war einfach genial und hat dazu beigetragen sich ein wenig besser kennenzulernen.

Zum Schluss noch ein grosses Dankeschön an die Eltern für Ihre Unterstützung während dieser zwei Tage. Vor allem Patrizia die dafür gesorgt hat dass die Spieler in den Pausen wieder zu Kräften kamen und an Michèle die am Samstagabend noch kurz unser Dress gewaschen hat damit wir am Sonntag wieder in einem frisch gewaschenen Dress auflaufen konnten.

Das ALLERGRÖSSTE  Dankeschön geht an unsere Spieler, sie haben Ihre Eltern, uns Trainer und vor allem den SC Binningen sehr stolz gemacht.

Unsere Helden waren:
Valentin Kaufmann, Luca Wagner, Simon Herren,
Fynn von Planta, Aramis Rohner, Remo Hirschi, Lendro Gallardo, Nicolas Visconti, Robert Doepgen, Alessio Ferrara, Mustafa Muharemovic, und Kevin Costa.

Der Weg zum Ziel:

Gruppenspiele:

SCB - FC Zürich 2:0
SCB - FC Bern 1:0
SCB - FC Luzern 3:1
SCB - SV Weil 0:0
SCB - Concordia Basel 3:0

Viertelfinale:

SCB - FC Aarau 1:0

Halbfinale:

SCB - FC Zürich 2:0

Finale:

SCB - Old Boys Basel 0:0 (5:4 n.P.)
 

Sieger: SC BINNINGEN

 

PS: Märchen sind erfunden, Wunder gibt es jedoch immer wieder !